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Dieses Referat wurde auf der Bildungsveranstaltung der DKP Brandenburg am 13. Dezember 2025 zum Thema: Der Drang des Imperialismus zum Krieg – Frieden und Freundschaft mit Russland und China gehalten.

Frieden und Freundschaft mit Russland und China – Strahlkraft der Freundschaft mit Russland und China

Hans Bauer

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freunde,

Bekanntlich ist diese Losung nicht unumstritten in der DKP. Das bezieht sich vor allem auf die Freundschaft. Ich möchte mit meinen Worten und Argumenten die Auseinandersetzungen nicht vertiefen, schon gar nicht befeuern. Allerdings möchte ich zum Nachdenken anregen.

Zur Einführung in dieses Thema wurde ich gebeten, einen Impulsvortrag zu halten.

Einsteigen möchte ich mit kurzen Ausschnitten aus einem Video, das 1975 in Bernau aufgenommen wurde.

Nicht rein zufällig wird damit auch an Konrad Wolf erinnert, den Leutnant der Roten Armee, den großen Filmregisseur, dessen 100. Geburtstag wir in diesem Jahr begehen. Konrad Wolf wurde in Bernau Ehrenbürger.

Filmausschnitte

Warum liegt mir an diesen Ausschnitten.

Sie zeigen anschaulich,

  • wie die „blutrünstigen Russen“ im Deutschland von 1945 erwartet worden sind. Wie die Faschisten sie zu „ewigen Feinden“ gemacht hatten (erinnert mich an Wadephuls Telefonat 2024).
  • zeigt, wie Kinder und Jugendliche in der DDR ein völlig anderes Bild vermittelt bekamen, das von Freundschaft geprägt war (erinnert mich an ein Konzept der LZ für politische Bildung Baden–Württemberg  zum Schulunterricht 2o22, wo Kinder zum Völkerhass erzogen werden, indem es dort heißt:  „Krieg in der Ukraine, Putins Angriff auf den Frieden“ „Sie sehen aus wie Menschen, aber es sind blutrünstige, hasserfüllte Monster“).
  • zeigt, wie nach 30 Jahren – historisch kurzer Zeit – die SU, die Völker, die Menschen – feste Freundschaft entwickelt hatten (das macht Hoffnung).

Welches waren und sind unsere Wurzeln des Friedens und dieser Freundschaft, deren Strahlkraft unverändert bis heute wirkt?

Erstens. Als Kind im Krieg geboren, habe ich wie andere meiner Generation erfahren, wie im neuen Deutschland ein völlig anderes Bild von der Sowjetunion mit tiefen Wurzeln entstand. Filme, wie „die Neunzehn“, Lieder, Bücher, wie  „Timor i ewo kommando“,  „Wie der Stahl gehärtet wurde“, schließlich die Pionierorganisation, das blauer Halstuch, vermittelten ein Gefühl, das Begeisterung für diese fremde Land entfachte. Da ging es noch nicht um Sozialismus, weniger um Bewusstheit, um Wissen nur schrittweise. Es war ein Wert der Menschlichkeit, der Freundschaft, der bezog sich nicht nur auf die SU, sondern generell auf Frieden und Freundschaft mit anderen Staaten und Völkern. Meine und weitere Generationen der antifaschistischen Anfangsjahre und später der DDR sogen dieses Gefühl wie „Muttermilch“ auf.

Natürlich betraf die Sympathie vor allem jene, die den Faschismus besiegt hatten. Das war vor allem die Rote Armee. Unsere Schutzmacht, wie ich später begriff. Der große Bruder.

Ähnliche freundschaftliche Gefühle empfanden wir für China, dass die japanischen Faschisten besiegt hatte.  Und dabei weit über 20 Mill. Opfer zu beklagen hatte.

Die zeitgleiche Gründung der DDR und der VR China, des Roten Chinas, im selben Jahr 1949 (1. und 7. Oktober) war für uns ein zusätzlicher Impuls, diese beiden Länder, ja, als Freunde zu empfinden. Hinzu kam: Beide Staaten – China und die DDR – nahmen noch 1949 diplomatische Beziehungen auf (übrigens auch die DDR und Nordkorea).

So wuchsen Generationen von DDR-Bürgern auf und empfanden ähnlich.

Eine Strahlkraft von Gefühlen, die uns prägte.

Zweitens. Natürlich blieb es nicht allein bei diesem Gefühl.

Das in der Schule vermittelte Wissen, schließlich das systematische Studium und die Kenntnis der Geschichte der SU, der Oktoberrevolution und des Bürgerkrieges gegen die Kulaken und die imperialistischen Eindringlinge, später die Politik des faschistischen Deutschlands waren ein festes Fundament für unser Verhältnis zur Sowjetunion.

Systematisch und Schritt für Schritt gehörte es zu Bildung und Erziehung, zu Moral und Recht, die Vergangenheit, besonders die des 2. Weltkrieges und die Verbrechen des deutschen Faschismus aufzuarbeiten. Und den Sieg über den Faschismus als unsere Befreiung zu begreifen. Das empfanden zunehmend immer mehr Menschen, basierend auf dem Wissen, welche Verbrechen die Faschisten in der SU angerichtet hatten: mit 27 Mill. Toten, mit der verbrannten Erde beim Rückzug, wenn wir nur an die mehr als 1 700 zerstörten Städte denken, an den Genozid in Leningrad usw.

Dabei hatte die RFSR (heute Nachfolgestaat der SU) als größte Sowjetrepublik der 15 Republiken (17 Mill qkm von 22 Mill) 1941 mit ca 110 Mill. Einwohnern (von knapp 200 Mill der SU) die größten Opfer gebracht, gefolgt von der Ukraine und Belarus. Es kann davon ausgegangen werden, dass weit mehr als die Hälfte der 27 Mill. Opfer Russen waren.

Die Schuld Deutschlands war also unermesslich. Die Verantwortung für die Wiedergutmachung ebenso. Deutschlands Reparationen hat zu 98 % die DDR bezahlt, nach seriösen Berechnungen schuldete die alte BRD der DDR über 700 Mrd. DM. Diese Reparationen waren nicht nur eine materielle Angelegenheit. Sie förderten bei aller Härte auch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Und das Verständnis für die Verantwortung.

Unser Credo in der DDR war „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ Und „Ewige Freundschaft mit der SU“. Alle drei Forderungen waren untrennbar verbunden.

Je mehr diese Verantwortung heute geleugnet wird, desto stärker empfinden wir unsere Pflicht, das nicht zu vergessen.

Drittens. Gleichzeitig mit der Vergangenheitsbewältigung, einschließlich der Verfolgung der Naziverbrecher – hier erinnere ich an die Nürnberger Prozesse – erfolgte ein umfangreiches gesamtgesellschaftliches Programm zum Studium der SU. Es galt, die Wahrheit über die SU zu vermitteln. Ein reiches, friedliches und kulturvolles Land in jeder Hinsicht.

Zur Realisierung nenne ich nur Stichpunkte

  • 1947 Haus der Kultur der SU eingeweiht und
  • 1947 Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion in der gesamten SBZ, Präsident Jürgen Kuczynski, Vize Anna Seghers
  • 1949 „Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ (DSF) gegründet. Wichtige Partner waren Oberst Tulpanow und Major Dymschitz.Die DSF war attraktiv für viele Menschen, auch für Intellektuelle. Sie war eine einzigartige Massenorganisation, bis zuletzt über 6 Mill. Mitglieder.
  • Ebenfalls eine Freundschaftsgesellschaft gab es zwischen der DDR und China. Sie gehörte der Liga für Völkerfreundschaft an. Verträge über Freundschaft und gegenseitige Zusammenarbeit wurden 1955 abgeschlossen.
  • Zu beiden Staaten Russland und China war bei vielen Menschen ein Fundament entstanden, das nahezu heimatliche Verbundenheit begründete.

Viertens. Entscheidend für die Verbundenheit war schließlich die übereinstimmende Perspektive unserer drei Länder auf eine sozialistische Entwicklung. In der DDR 1952 durch die SED proklamiert.

Stalins Vorschläge auf ein einheitliches neutrales Deutschland hatten die BRD und die Westmächte negiert, abgelehnt, waren gescheitert. Adenauer setzte auf Wiederbewaffnung, Befreiung der Ostgebiete, Teilung Deutschlands – damit wurde die Bindung, aber auch die freundschaftliche Verbundenheit besonders zur SU noch enger.

1955 nahmen DDR und SU diplomatische Beziehungen auf.

Am 20. September 1955 wurde in Moskau der Freundschaftsvertrag über die gegenseitigen Beziehungen: Gleichberechtigung, Achtung der Souveränität und Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten geschlossen.,

In den folgenden Jahrzehnten bis in die 1980-er Jahre erfolgten die freundschaftliche Zusammenarbeit, Vernetzung und Kooperation zwischen beiden Staaten nahezu explosionsartig. Staatlich, gesellschaftlich, individuell. Daran waren 100 000-e, wenn nicht Millionen von DDR-Bürgern beteiligt

Auch hier nur einige Stichworte:

  • Aus- und Fortbildung an sowjetischen Hochschulen, Universitäten, Akademien (allein Militärs mehrere Tausend)
  • Zusammenarbeit unserer Schutz- und Sicherheitsorgane; „Waffenbrüder“
  • Kooperation und Austausch auf allen gesellschaftlichen Gebieten, auf der Ebene von Betrieben bis zu Ministerien, auch in meinem Bereich, der Justiz
  • Zusammenarbeit auf internationaler, auch UNO-Ebene. Habe ich auch selbst erlebt.
  • Wissenschaftliche, sportliche und kulturelle Zusammenarbeit
  • Austausch auf Gewerkschafts-, Jugend- und Parteiebene
  • über 25 000 vorwiegend junge Leute waren an der Trasse, also bauten mit an der Erdgaspipeline in den 1970/80-er Jahren
  • und unzählige touristische Reisen (kollektiv, individuell)

Warum nenne ich das, vielen von uns hier bekannt. Es entstand innerhalb von 40 Jahren bei einer Mehrheit von Bürgern eine Verbundenheit, die trotz mancher Rückschläge, Irrungen und Fehler, unzerstörbar war und ist, sich vielfach – leider zu wenig – auf die folgenden Generationen übertragen hat. Dank DDR. Dank der SED; Das zu betonen, ist besonders in einer Veranstaltung von Kommunisten wichtig. Für die DKP insgesamt. Ohne SED hätte es keine DDR gegeben. Daran müssen wir besonders im April 2026, dem 80 Jahrestag ihrer Gründung, erinnern.

Ein fünfter Grund kommt hinzu: Auch die Annexion der DDR überstand diese Freundschaft. Trotz Verrat und Verantwortungslosigkeit unter Gorbatschow und Jelzin. Vom Brudervolk SU war 10 Jahre nichts zu spüren. Das änderte sich in der Russischen Föderation unter Putin. Wiederauflebende Kontakte und Verbindungen nahmen zu – auch dank der Unterstützung des russischen Staates. Die deutsche Politik tut ihr übriges – von der anderen Seite. Mit Russophobie und Kriegsvorbereitung gegen Russland. Das schärfte sogar die einstige Verbundenheit mit den Bürgern und dem Staat SU/der heutigen RF als Nachfolgestaat.

Entscheidend ist heute dabei die Hoffnung, die wir auf die Politik Russlands und Chinas setzen. Ich nenne hier die BRICS mit zehn Mitgliedern und neun Partnerstaaten sowie die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) sowie die Seidenstraße. Beide Staaten haben diese Alternativen mitbegründet und sind dort initiativ. Anliegen: eine Welt in Frieden und gleichberechtigter Zusammenarbeit der Staaten, ohne Dominanz der USA und der westlichen Welt, also eine „multipolare“, eine multilaterale Welt.

Russland und China tragen dabei eine besondere Verantwortung, nicht nur die Völker schlechthin, sondern beide Staaten mit ihren Führungen. Sie stehen besonders im Focus des aggressiven Imperialismus, der bereits vor allem in Deutschland faschistische Züge annimmt. Russland soll sogar mit Krieg überzogen werden.

Wie man auch immer der Charakter von Russland und China eingeschätzt wird (darüber gibt es bekanntlich in der DKP auch unterschiedliche Meinungen), für mich und für viele von uns gebietet das nicht nur Frieden, sondern Freundschaft zu beiden Staaten und ihren Völkern. Beide Staaten sind Gewähr, dass diese Entwicklung sich erfolgreich fortsetzen kann. Ohne diese großen und mächtigen Staaten wäre ein Epochenwandel, wie er gegenwärtig stattfindet, nicht möglich. Merz sprach von der Drecksarbeit, die Netanjahus Regime  mit Völkermord und Angriffskrieg leistet. Er identifizierte sich mit den Verbrechen.

Was China und Russland für den Fortschritt der Menschheit leisten, nämlich den Zerfall der alten Weltordnung zu beschleunigen, erfolgt voll in unserem Interesse. Es trägt historische Dimensionen.

Frieden und Freundschaft mit Russland und China sind unerlässlich, wenn wir auf der Seite des Fortschritts stehen wollen.

Übrigens gibt es eine Publikation von 2018, herausgegeben von Adelheid Bahr mit vielen Autoren, u. a. Platzeck, Dahn, Brandt mit dem Titel: „Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen“. Sie haben sich nicht gescheut, dieses Wort Freundschaft zu gebrauchen.

Liebe Genossen, mein Fazit

Forderungen nach Frieden und Freundschaft mit Russland und China haben für uns feste Wurzeln

  1. in tiefen Gefühlen gegenüber beiden Staaten
  2. in Verantwortung für die Vergangenheit
  3. in persönlichen Erfahrungen und Kenntnissen von Jahrzehnten
  4. aufgrund der Bedeutung beider Länder. im gegenwärtigen revolutionären Prozess der Geschichte.

Im März 2023 äußerte sich während eines Besuches in Moskau der chinesische Präsident Xi Jinping zu Putin: „Es kommt zu Veränderungen, die es seit 100 Jahren nicht gegeben hat. Und diesen Wandel treiben wir gemeinsam voran“.

Ja, das ist ein revolutionärer Prozess – noch nicht sozialistisch -, aber ein Prozess des Klassenkampfes, aus dem wir Hoffnung und historischen Optimismus schöpfen können. Und mit dessen führenden Kräften und Völkern uns Frieden und Freundschaft verbinden müssen.